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Drucken 22-09-2022 | Konjunktur

US-Fed: Zinspolitik der erratischen Hand

Am 21. Sep. gegen 20:00 Uhr trat ein, was erwartet wurde: die US-Fed erhöhte den Leitzins um noch einmal 75 Basispunkte (0,75%).
Damit befindet sich die US-Fed weder im Einklang mit dem langjährigen ehemaligen Fed-Chef, dem legendären Alan Greenspan, noch im Einklang mit den aktuellen konjunkturellen Rahmenbedingungen. Alan Greenspan vertrat eine Zinspolitik der "ruhigen Hand" mit Schritten von jeweils 25 Basispunkten. Die aktuellen Zinsschritte der US-Fed signalisieren eine völlige Desorientierung zu Lasten der Kleinanleger, Häuslebauer und der Staatsfinanzen. Die mit dieser Zinspolitik verursachte Stärkung des USD verstärkt zusätzlich die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im EURO-Raum und im Yen. Beide Währungen verlieren gegen den USD deutlich.

Natürlich ist man von der Angst der Inflation getrieben. Aber gerade dann ist ein Blick über den eigenen Tellerrand angebracht. Während die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe in den letzten 8 Jahren zwischen 0,53 und 3,508 notierte, lag die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe Japans zwischen -0,275 und 0,626. Aktuell rentieren die 10-jährigen Staatsanleihen: USA  3,542 %; Japan: 0,231 %.

Und die Inflationsdaten?
2021: USA: +4,7%; Japan: -0,2%.
Aktuell: USA: +8,3%; Japan: +2,7%.
Daraus läßt sich ableiten: je höher die Leitzinsen, desto höher die Inflation. 

Kann also eine derart aggressive Zinspolitik der US-Fed im Sinne eines erfolgreichen Gegensteuerns gegen die Inflation überhaupt zielführend sein, zumal die Ursachen der Inflation globaler Natur sind ? 

Wenn man die Zinspolitik einer Notenbank als Instrument zur Stärkung des Wohlstands der Gesellschaft einer Volkswirtschaft versteht, dann müßte die US-Fed darauf achten, dass die wirtschaftliche Situation der Bürger, die durch die Inflation ohnehin unter Druck stehen, nicht zusätzlich in Bedrängnis geraten. Die Leitzinserhöhungen bringen jetzt die Teile der Bevölkerung in zusätzliche Bedrängnis, die sich vorher schon verschuldet hatten, wie insbesondere junge Familien und Hauseigentümer. 
Im Ergebnis wird die wirtschaftliche Tätigkeit soweit abgewürgt, bis Insolvenzen und steigende Arbeitslosenzahlen die US-FED zum Gegensteuern zwingen. 

(Redaktion Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing)