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Drucken 10-09-2022 | Staat und Gesellschaft | Personal, Berufe, Aus- und Weiterbildung

Fachkräftemangel in Deutschland ?

Kerken, den 10. September 2022 - Wenn ein Land unter Fachkräftemangel leidet, dann gilt es als rückständig, als ungebildet mit einer schwachen Wirtschaftsleistung.

Und das soll auf den Exportweltmeister Deutschland zutreffen?

Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine von Politik und Verbänden gern gepflegte Ausrede handelt. Beide Berufsgruppen tendieren im eigenen Interesse am Gehabten festzuhalten.

Deutschlands Maschinenbau und Automobilbau spielen weltweit in der ersten Liga, die Produkte der Chemischen Industrie und Medizintechnik ebenso.
Der einzige Grund für berechtigte Nachwuchssorgen ist die Überalterung der Gesellschaft und die beginnende Verrentung der Babyboomer. Dass die Zahl der Neugeborenen mit dem Zuwachs an Rentner:innen nicht mithalten kann, ist aber auch nicht neu und man hätte sich darauf einstellen können.

Statt nach den Gründen langfristiger Fehlentwicklungen zu suchen, geht man - wie eigentlich immer - den bequemsten Weg, das Problem mit Geld zuzukleistern. In diesem Fall: Einwanderung. Ich persönlich mag diese Bankrotterklärung schwacher und fachlich unkundiger Politiker nicht mehr hören.

Fast alle Defizite und Fehlentwicklungen haben einen gemeinsamen Nenner: die föderalen Strukturen in unserem Land.

Sie verhindern zentrale, zeitnahe und kompetente Problemlösungen, was in den letzten beiden Jahren bei der Corona-Politik besonders deutlich zutage trat.
Sie stehen für unendlichen Kompetenzgerangel, Ausgleichsforderungen an den Bund,
Bildung von geld- und zeitfressenden Kommissionen und 16-fachen gleichartigen Kostenstrukturen.
In einem Satz: der Föderalismus ist nicht nur zu teuer, er bringt auch nicht die Lösungen, die unser Land in eine gute Zukunft führen.

Zurück zur Nebelkerze "Fachkräftemangel"

Ich behaupte, dass wir die Fachkräfte, die wir benötigen, bereits im eigenen Land haben. Fachkräfte mit Expertise aus dem Ausland sind natürlich willkommen. Solche Fachkräfte kennt Jede/r von uns, der/die sich schon einmal im Krankenhaus behandeln lassen musste.

Um Fachkräfte im eigenen Land anzuwerben, muss man
1. die Mobilität der potenziellen Fachkräfte erhöhen
2. Landesgrenzen mit all ihren unterschiedlichen Regelungen überwinden
3. Branchen und Wirtschaftssektoren, möglicherweise auch regionale Faktoren identifizieren, die einer schwachen zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung entgegensehen. Beispiel: Die Politik sollte wissen, in welchen Bereichen der Öffentlichen Dienste Beamte durch Angestellte ersetzt werden müssen (Teil der Neuordnung des Beamtenwesens). Hier sind vermutlich Tausende interessiert, in die freie Wirtschaft zu wechseln. Weiterbildungsmaßnahmen und Mobilitäts-Prämien können diese Entwicklung unterstützen, Fachkräfte weiterzubilden und dort anzusiedeln, wo sie benötigt werden.
Die künftige Beschränkung des Beamtentums auf wirklich staatstragende Funktionen sollte dies ebenfalls unterstützen.

Wir erleben aktuell, ausgelöst durch Lockdowns und die russische Kriegsgefahr mit unberechenbaren Rezessionsfolgen  außergewöhnlich heftige Veränderungen im Arbeitsmarkt: Arbeitnehmer:innen, die sich in ihren bisherigen Jobs nicht mehr wohl fühlen, suchen alternative Beschäftigungen. Vieles steht insbesondere bei den Arbeitnehmer:innen auf dem Prüfstand, die in ihrem Job noch nicht dort angekommen sind, wo sie ihre Ziele sehen.

Die Politik muss hier flankierend eingreifen: dazu sind Visionen über die Zukunft der Öffentlichen Dienste notwendig. Kein Festhalten an den bisherigen Strukturen, sondern eine Weiterentwicklung dessen, was künftig notwendig (staatstragend) ist. Und das nicht für Berlin oder Brandenburg oder Hessen und das Saarland, sondern für Deutschland.

Die Reform des Föderalismus und die Perspektive "Deutschland für Morgen fit machen" muss die nächste Gemeinschaftsaufgabe der Bundespolitik sein.

(Redaktion HRWilling)