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Drucken 23-10-2022 | Theken-Themen

Deutsche Politik: immer wieder rein in den Fettnapf

Kerken, den 23.Oktober 2022 

Die Ungeschicklichkeit Deutscher Politik hat auch etwas mit fehlender Zukunftsorientierung zu tun (man wartet gern ab, bis es nicht mehr geht, trifft dann Entscheidungen, die übereilt nicht in allen Konsequenzen durchdacht sind). Aktuelles Beispiel: China und der Hamburger Hafen. Die Chinesen möchten gern beteiligt werden. Schon diese Ausgangslage signalisiert ein Kernproblem.

Wer es nach den Trump'schen Eingriffen in die internationalen Handelsbeziehungen oder mit Lockdown-veranlaßten Lieferproblemen mit Produktionsausfällen oder dem Russland-Ukraine-Krieg mit Ausfällen für die weltweite Lebensmittelversorgung oder nach den chinesischen Ambitionen in Afrika und dem Seidenstrassenbau noch immer nicht begriffen hat: die Globalisierung der weltweiten Handelsbeziehungen und in diesem Zusammenhang die internationale Logistik, ob zu See, zur Luft oder zu Land ist immer eine hochsensible Frage der internationalen Politik.

Und diese Politik, auch das haben die jüngsten Erfahrungen gezeigt, kann und darf keine außenpolitische Angelegenheit mehr sein. Die Aussen- = auch Sicherheitspolitik gehört in die erste Verantwortung des Kanzleramtes. Deutschland ist in dieser Beziehung so schlecht aufgestellt, wie noch nie in der Geschichte.

Gewiß, der Hamburger Hafen liegt in Hamburg. Handelt es sich deshalb um eine Hamburger Angelegenheit? Nein - natürlich nicht.
Es handelt sich hier eindeutig um eine Entscheidung nationaler Bedeutung mit Abstimmungsbedarf in der EU, ja auch in der NATO.

Wenn Alles mit Allem in netzwerkartiger Verbindung steht, dann müssen die politischen Strukturen bezüglich Verantwortung und Kompetenz neu in Einklang gebracht werden oder wir schaffen uns demnächst selbst ab.
Unter Anderem deshalb, weil Andere schneller und zielgerichteter entscheiden und handeln können.

Wenn nun China eine unternehmerische Beteiligung am Hamburger Hafen anstrebt und Olaf Scholz als Hamburger OB signalisiert hat, dass dies grundsätzlich möglich sei, dann lassen sich daraus mehrere Erkenntnisse ableiten:

1. die Chinesen haben einen strategischen Plan. Dieser muss nicht in erster Linie militärisch motiviert sein. Aber offensichtlich haben China's Entscheider die Bedeutung weltweiter Logistikstrukturen längst erkannt. (Siehe auch ein Blick in die Geschichte der Menschheit)

2. die Chinesen bauen sich Afrika als zukünftigen Rohstoff-Lieferant auf, indem sie in die Strukturen vor Ort investieren. Wenn die USA dies schon vor 50 Jahren gemacht hätten, würden wir die Ergebnisse heute als unsere großartige Zukunftsorientierung feiern. Tatsächlich aber haben wir Afrika unseren Elektroschrott vor die Haustür gekippt und diesen Erdteil in des Wortes Sinn ausgebeutet, ob Rohstoffe, Edelmetalle, bis zu den großen Fischfabriken der Europäer vor Afrika's Küsten. All das, was wir versäumt haben, werfen wir jetzt in hellseherischem Eifer den Chinesen vor?

Zur Beteiligung der Chinesen am Hamburger Hafen.
Dies zeigt zuerst die große Bedeutung des Hamburger Hafens. Diese Bedeutung ist Ausdruck und Ergebnis der vorausschauenden international orientierten Handelsbeziehungen, die nicht durch die Politik, sondern durch die gesamte Unternehmerschaft Deutschlands vom Mittelstand bis zur Großindustrie vorangetrieben wurde.
Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern muss. Keinesfalls gibt man das ohne Not aus der Hand. Das bedeutet, dass man auch langfristig für China ein wichtiger Partner sein wird. Auch und insbesondere ohne unternehmerische Beteiligung.

Hier ist ein langfristiger Kooperationsvertrag angezeigt, der die Interessen China's wie Deutschlands ausgewogen berücksichtigt.

Mehr braucht es nicht und mehr darf es auch nicht.

Das ist die Meinung unseres Redakteur Dipl.-Betriebswirt Rainer Willing