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Drucken 15-01-2023 | Staat und Gesellschaft

Der Kampfpanzer Leopard-ein Streit um nichts

Unser Kommentar zu den Forderungen von Politikern verschiedener Parteien den Kampfpanzer Leopard an die Ukraine zu liefern.

Eigentlich sollte man voraussetzen, dass unsere Politiker über Hintergrundwissen verfügen, wenn sie wichtige Aussagen in der Öffentlichkeit treffen.

Dass aber genau dies nicht vorausgesetzt werden kann, zeigt u.a. die aktuelle Diskussion um den Kampfpanzer Leopard. Hier wird so getan, als hätten wir Kampfpanzer im Überfluss.

Das Gegenteil ist der Fall: insgesamt 104 Leopard 2 A7V (der neue und modernste Kampfpanzer) sollen in den nächsten drei Jahren an die Bundeswehr übergeben werden. Es heisst "sollen" und nicht "werden". Dann erst werden abgelöste Kampfpanzer Leopard2 für die Abgabe an die Ukraine frei. Und das Kampfgerät, das bereits jetzt abgelöst werden könnte steht bei der Rüstungsindustrie und muss komplett überholt werden, bevor es ausgeliefert werden kann. Lt. aktueller Aussage von Rheinmetall kann der Leopard2 frühestens in einem Jahr ausgeliefert werden. 
Also: die wenigen Kampfpanzer, die in der Truppe zur Verteidigungsbereitschaft einsatzbereit sind, kann schon aus Gründen der Pflichterfüllung in der NATO nicht zur Disposition stehen.  

Was also wollen Forderungen nach ohnehin nicht realisierbaren Lieferungen des Kampfpanzer Leopard2 in die Ukraine bewirken? Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann sollte es besser wissen.   

Vielleicht öffnen nachfolgende bei Statista eruierten Zahlen die Augen:

Deutschland liegt 2022 im weltweiten Vergleich bei der Zahl der verfügbaren Kampfpanzer an 55. Stelle. Mit mageren 266 Stück. Rund 10 mal soviel hat die Ukraine, 26 mal soviel stehen den USA zur Verfügung und gar 47 mal soviel stehen Russland zur Verfügung.

Man wird nicht bestreiten können, dass es zwischen der Länge nationaler Grenzen und der Zahl der verfügbaren Kampfpanzer eine nicht zu vernachlässigende Beziehung gibt. Aus diesem Grund sollte man sich vor Augen führen, was es bedeutet, eine 1576 Km lange Grenze zwischen der Ukraine und Russland verteidigen zu können. Und dann muss man noch weitere 891 Km zwischen der Ukraine und Weissrussland ins Kalkül ziehen.

Auch 14 Kampfpanzer, die England der Ukraine jetzt liefern will, werden die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine nicht nennenswert erhöhen können.

Es müsste jetzt aber darauf ankommen die russische Artillerie, die Raketen- und Drohnenangriffe gegen die Städte in der Ukraine auszuschalten. 
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Redakteur Rainer Willing